Private Wetterstation Zwickau


Muldehochwasser Juli 1954

 

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 Hochwasserkatastrophe in Zwickau - Juli 1954


 

Die bisher schwerste Hochwasserkatastrophe in der Geschichte Zwickaus wurde durch eine Vb-Wetterlage ausgelöst. Nach Einteilung des Meteorologen

v. Bebber im Jahre 1880 bezeichnet man die Tiefdruckgebiete , die von Oberitalien über die östlichen Alpenketten nach Tschechien und nach Polen und weiter zur nördlichen Ostsee ziehen, als Vb-Tiefs, ihre Zugrichtung als Zugstraße Vb. Alle Hochwasserkatastrophen in Gegenwart und Vergangenheit in unserer Heimat wurden durch Vb-Tiefs verursacht.

 

Auf der Bodendruckkarte vom 8. Juli ist das unheilbringende Tief sehr gut erkennbar und lag zum Termin mit seinem Zentrum an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn. Um das Tief wurde feucht-warme Luft aus dem Mittelmeer weit nach Norden herumgeholt, welche zu den anhaltenden und extremen Niederschlägen bei uns geführt hat.

 

 

An der Wetterstation in Zwickau-Oberplanitz setzte am 7. Juli nachmittags der Regen ein und summierte sich innerhalb nur vier Tagen  auf  213 Liter pro Quadratmeter. Die durchschnittliche Niederschlagssumme für den Monat Juli (Referenzzeitrum 1891-1930) in unserer Region beläuft sich auf 89 Liter pro Quadratmeter, für die Referenzperiode 1961-1990 gar nur auf 77 Liter pro Quadratmeter.

Auf folgender Grafik ist der Niederschlagsverlauf vom 8. bis 11. Juli an der Station Zwickau-Oberplanitz ersichtlich.

 

 

Im Einzugsgebiet der Zwickauer Mulde, vornehmlich im höher gelegenen Westerzgebirge und Vogtland fielen erheblich größere Niederschlagsmengen.

Nachfolgend einige Stationen von welchen mir Daten vorliegen.

 

 

9. Juli

10. Juli

Schönheide/E.

103,5 l/m²

158,0 l/m²

Schnarrtanne/V.

 

142,1 l/m²

Lengenfeld/V.

 

140,3 l/m²

Rodewisch/V.

 

126,3 l/m²

Bockau/E.

 

118,1 l/m²

Aue

90,5 l/m²

105,3 l/m²

Zwickau-Stadt

 

99,1 l/m²

Glauchau

 

92,7 l/m²

Schneeberg

 

91,5 l/m²

Carlsfeld-Weiterswiese

 

90,7 l/m²

 

Die Gesamtniederschläge für den Monat Juli einiger Stationen sind auf folgender Grafik festgehalten.

Dabei erkennt man sehr gut, dass am Oberlauf der Mulde die höchsten Niederschlagsmengen registriert wurden. Die Stationen Schnarrtanne, Bockau, Aue und Schwarzenberg mit Mengen um oder über 400 l/m², in Schönheide sogar mit 552 l/m² lassen das verheerende Ausmass der Starkniederschläge nur erahnen.

 

 

Durch diese enormen Niederschläge stieg, trotz der vorhandenen Talsperren am Oberlauf der Zwickauer Mulde, welche während der Katastrophentage ~59 Mio. Kubikmeter Wasser stauten bzw. aufnahmen, der Pegelstand der Mulde am 10. Juli auf 4,78 Meter in Pölbitz.

Normal sind ~ 0,8 -1,20 Meter, an der Bierbrücke wurden sogar über 6 Meter gemessen.

 

Pegelverlauf während der Hochwasserlage

Als Anhaltspunkt sind die derzeit aktuellen Meldestufen in die Grafik eingearbeitet.

 

 

Durch die verheerenden Wassermassen wurden die Dämme im Stadtgebiet unterspült und in der Nacht des 10. Juli brach unterhalb der Paradiesbrücke der Damm. Die Innenstadt wurde innerhalb kürzester Zeit überflutet und stand über 2 Meter unter Wasser. Die Hochwassermarke am Rathaus liegt bei 2,10 Meter, im Dom St.Marien stand das Wasser 1,60 Meter hoch, in der Bockwaer Senke sogar 9 Meter hoch.

Die Fläche des überfluteten Gebietes betrug in Zwickau 225 ha.

Im Stadtkreis waren 741 Häuser mit 10000 Einwohnern überschwemmt bzw. eingeschlossen.

Nach dem Abfließen des Wassers mußten 2400 Kubikmeter Schlamm beräumt werden.

Entlang der Mulde entstanden zwischen Aue, Zwickau, Glauchau, Waldenburg und Penig enorme Schäden.

 

Das Bild zeigt den überschwemmten Hauptmarkt,, mit dem Gewandhaus im Hintergrund.

 

 

 

Folgende Bilder wurden mir freundlicherweise von Hans-Ullrich Wilhelm aus Heinsdorfergrund zur Verfügung gestellt.

Die Bilder wurden während des Hochwassers von Herbert Wilhelm aufgenommen.

Vielen Dank an dieser Stelle an Herrn Wilhelm!

 

Hauptmarkt

 

Paradiesbrücke

 

Ein Schwimmpanzer, manchmal das einzig nützliche Fortbewegunsmittel

 

Sinkende Fluten an der Pölbitzer Brücke

 

 

René Blank im April 2007

 

Quellen:

Meteorologisches Jahrbuch, Hauptamt d. Met. u. Hydrol. Dienstes der DDR, Potsdam

"Klimatologische Normalwerte der DDR 1951/80", Hauptamt für Klimatologie, Potsdam

Das Klima von Zwickau - Martin Müller Zwickau 1958

Stadtarchiv Zwickau

Wetterzentrale.de

Hans-Ullrich Wilhelm

 

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